Mit Neugier gestartet, mit Leidenschaft geblieben
Schon vom ersten Tag an habe ich bei Gleiss Lutz ein Umfeld erlebt, das fördert und inspiriert. Als ich im April 2016 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Compliance & Investigations begann, rechnete ich mit langen Arbeitszeiten, steilen Hierarchien und wenig Raum für Persönliches. Stattdessen traf ich auf ein offenes Team, das Wissen teilte und Raum für Entwicklung bot. Heute, neun Jahre, ein Referendariat und die Geburt meines inzwischen zweijährigen Sohnes später, nehme ich am Partnerentwicklungsprogramm teil – und arbeite immer noch mit großer Freude im selben Team.
Erste Berührungspunkte mit einer internationalen Großkanzlei
Während des Studiums kam eine Großkanzlei für mich lange nicht infrage – zu präsent waren Vorurteile über Arbeitszeiten, Ellbogenmentalität und fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch der Kontakt zu Großkanzleien war im behüteten Bayreuth, wo ich von Oktober 2009 bis Januar 2016 studiert habe, begrenzt. Als mein jetziger Mentor Dr. Eike Bicker Anfang 2016 an meiner Universität über Unternehmen in der Compliance-Krise referierte, war ich sofort fasziniert – nicht zuletzt wegen meiner Leidenschaft für Krimis und True Crime. Wenige Wochen später begann ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Frankfurter Büro im Team von Eike. Die Associates banden mich von Beginn an intensiv in die Mandatsarbeit ein. So erinnere ich mich genau an mein erstes Interview anlässlich einer Investigation für eine französische Mandantin. Das Interview fand per Videokonferenz statt – im Jahr 2016 noch eine Seltenheit – und ich unterstützte unseren damaligen Of Counsel aus dem Strafrecht.
Erste Verantwortlichkeiten
Meine wesentlichen Aufgaben zu diesem Zeitpunkt waren die Durchführung sog. Business Partner Checks, d.h. Hintergrundrecherchen zu Geschäftspartnern unserer Mandanten, sowie der E-Mail-Review – eine klassische forensische Untersuchungsmaßnahme. Die Mitarbeit am E-Mail-Review brachte mich eng mit den Associates zusammen – ich bekam Einblicke in ihren Arbeitsalltag und habe viel über die anwaltliche Arbeit in einer Großkanzlei gelernt. Nach drei Monaten sagte mein Mentor zu mir, ich hätte auf dem Niveau einer First Year Associate gearbeitet. Das machte mich wirklich stolz und für mich war klar: Ich bleibe. Die familiäre Atmosphäre am Standort, die Kollegialität, die Wahrnehmung des Einzelnen und die spannenden Mandate hatten mich überzeugt.
Während des Referendariats arbeitete ich neben dem AG-Alltag einen Tag in der Woche weiter im Compliance & Investigations-Team und auch für die Anwaltsstation blieb ich im selben Team. Das erste Mandat, das ich in der Anwaltsstation mitbetreuen durfte (Beratung des Insolvenzverwalters eines seinerzeit großen Möbelproduzenten, u.a. bei Organhaftungsangelegenheiten), beschäftigt mich noch heute.
Toronto Calling
Nach dem Examen ging es für mich dank der Unterstützung von Gleiss Lutz nach Toronto, Kanada. Dort verbrachte ich drei Monate bei Blake, Cassels & Graydon LLP, einer der größten kanadischen Kanzleien, im Bereich Litigation. So konnte ich wertvolle Erfahrungen in einer Case Law-Jurisdiktion sammeln. Eines meiner Highlights aus dieser Zeit war es, zwei Associates mit Aktenkisten (gestapelt auf einem Handwagen!) zu einer Verhandlung vor dem Ontario Court of Justice begleiten zu dürfen. Die Zeit in Toronto hat mir nicht nur fachlich und persönlich neue Perspektiven aufgezeigt, ich habe dort auch viele spannende Persönlichkeiten getroffen und Kontakte geknüpft, die bis heute halten. So habe ich erst kürzlich eine der Litigation-Partnerinnen auf einer Konferenz in London wiedergetroffen.
Meine Karriere als Anwältin
Meine Karriere als Anwältin begann im Oktober 2018. Mein Fokus lag damals zunächst auf der präventiven Compliance-Beratung, d.h. z.B. dem Entwurf von Richtlinien (u.a. für einen Sportartikelhersteller), der Vorbereitung von Compliance-Schulungen für Mitarbeitende und der Durchführung von sog. Compliance Health Checks, also der Analyse des Compliance Management Systems von Unternehmen. Mit dem Ausbau unserer Compliance & Investigations-Praxis verlagerte sich mein Tätigkeitsschwerpunkt vermehrt in den Bereich Investigations. Die Begleitung von Mandanten in der Krise nach einem Compliance-Vorfall ist für mich besonders spannend, weil ich sehr nah an strategischen Entscheidungen der Unternehmensführung unserer Mandanten dran bin. Gleichzeitig reizt mich die Vielseitigkeit der damit verbundenen Tätigkeiten: forensische Maßnahmen, Interviews mit Mitarbeitenden, Kommunikationsberatung, Legal Projekt Management, das Schreiben von Investigation Reports und schließlich die Unterstützung bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Remediation. Wir beraten dabei sowohl branchen- als auch themenübergreifend, sodass ich ständig neue Geschäftsmodelle kennenlerne und die Vorwürfe – von Verstößen gegen das Medizinproduktegesetz über #MeToo bis hin zu klassischem Betrug – sehr vielfältig sind. Die Arbeit an Investigation-Mandaten oder Compliance Remediation-Projekten fordert mich immer wieder aufs Neue heraus – gerade als Mutter eines zweijährigen Sohnes. Die Dynamik der Mandate bringt mich natürlich manchmal an meine Grenzen, aber genau das macht die Aufgabe für mich so spannend. Nach meiner Rückkehr aus der Elternzeit habe ich mich in Abstimmung mit meinem Mentor auch bewusst entschieden, in Vollzeit zu arbeiten. Ich bin ehrlich: ohne die entsprechende private Organisation unvorstellbar. Gleiss Lutz bietet mir dabei aber die nötige Flexibilität, sodass ich – soweit es die Mandantentermine zulassen – Zeit für die Familie haben und gleichzeitig eine leitende Rolle in meinen Mandaten übernehmen kann. Denn in den vergangenen Jahren habe ich mich enorm weiterentwickelt:
In den vergangenen Jahren bin ich aus der anfänglichen unterstützenden Mitarbeit in eine beratende und koordinierende Funktion hineingewachsen und genieße heute viel Vertrauen – von Partnerinnen und Partnern wie auch von Mandantinnen und Mandanten, für die ich in vielen Bereichen als erste Ansprechpartnerin fungiere. Freude bereiten mir besonders die standort- und praxisübergreifende Zusammenarbeit, die Ausbildung jüngerer Kolleginnen und Kollegen und die strategische Weiterentwicklung der Mandate. Nach sieben Jahren als Anwältin weiß ich: Ich bleibe.