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Spannendes Porträt eines ehemaligen Nachwuchsjuristen

Interview mit Ruben Rehr

Ruben Rehr ist ehemaliger Stipendiat unseres „One Step AHEAD-Stipendiums“ und hat sein Masterstudium in Oxford absolviert. Zuvor war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an unserem Hamburger Standort im Bereich Steuerrecht tätig. Aktuell promoviert Herr Rehr zum Thema „Besteuerung der Parteien eines englischen Private Express Trust“, engagiert sich nebenbei im Alumni-Verein seiner Hochschule und dreht YouTube-Videos zum Steuer- und Sachenrecht.

 

1) Herr Rehr, würden Sie uns von Ihrem Studienjahr in Oxford berichten. Warum haben Sie sich für ein Masterstudium entschieden und welche Eindrücke haben Sie in Ihrem Studienjahr gesammelt? Würden Sie rückblickend wieder nach Oxford gehen?

Rückblickend war das eine wirklich sehr gute Entscheidung, die den nicht unerheblichen Bewerbungsaufwand rechtfertigt. Für alle, die diesen Weg beschreiten wollen, empfehle ich daher frühzeitig mit der Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen zu beginnen. Die Bewerbungsfrist in Oxford endet bereits im Januar und damit neun Monate vor dem Beginn des Masters.

Ein Masterstudium im Ausland vermittelt neue Inhalte und Herangehensweisen an die Materie „Recht“. Das schärft den Sinn für die eigene Rechtsordnung, da man so auch neue Perspektiven auf seine Heimatjurisdiktion erhält. In Oxford habe ich besonders geschätzt sich über grundsätzliche Fragestellungen Gedanken zu machen, zum Beispiel warum wir bestimmten Rechtsgebilden Steuersubjektfähigkeit zugestehen und anderen nicht. Da habe ich zwar noch keine Antwort drauf gefunden, aber manchmal hilft es ja auch zu erkennen, dass die bloße Kodifizierung durch den Gesetzgeber möglicherweise nicht durch ein tieferes, kohärentes System gedeckt ist.

Jedenfalls kann ich einen Master in Oxford jedem ans Herz legen. Man beschäftigt sich vertieft mit vier Fächern seiner Wahl und mit über vierzig Kursen zur Auswahl ist für alle Fachrichtungen was dabei. Dazu gibt es eine sehr enge Betreuung durch – oftmals sehr renommierte – Professorinnen und Professoren. Diese intensive Lernerfahrung wird garniert durch das Ambiente einer mittelalterlichen Stadt mit teils ebenso mittelalterlichen akademischen Bräuchen.

 

2) Herr Rehr, Sie haben uns von Ihren YouTube Videos zum Steuer- und Sachenrecht berichtet. Was genau dürfen wir uns darunter vorstellen und wie kam die Idee dazu?

Motivation für das Projekt war es, Studierenden einen besseren ersten Zugang zur Materie zu geben. Beim „Erstkontakt“ mit einem neuen Rechtsgebiet fehlt es den Studierenden – natürlich – noch am Systemverständnis. Dieses Systemverständnis wird aber benötigt, um das Detailwissen aus Vorlesung und Ausbildungsliteratur richtig einzuordnen. Der Ansatzpunkt muss also sein, dass die Studierenden den „Normalfall“ verstehen, bevor sie sich mit der klassischen Klausurfragestellung beschäftigen, was passiert, wenn etwas schiefgeht. Dieses didaktische Konzept ist auch nicht neu, sondern geht auf Fritjof Haft zurück. Neu ist jedoch das Medium. Durch den Medienbruch gelingt dieses Abschichten besonders gut. Im Video wird der Überblick vermittelt, die Vorlesung vertieft das Wissen mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen und die Vermittlung von Detailwissen ist am besten in der Textarbeit aufgehoben.

Ein zweites Anliegen war mir, dass Studierende am Anfang des Studiums leider viel zu lange Prüfungsschemata auswendig lernen, auf Sekundärliteratur wie etwa Skripte vertrauen und nicht versuchen, Fragestellungen anhand der Primärliteratur, dem Gesetz, herzuleiten. Auch hier setzen die Animationen der Videos an. Sie zeigen auf: Auswendiglernen ist gar nicht erforderlich.

Schließlich entlasten die Videos auch die Vorlesung. Die Grundlagen und die Inhalte der relevanten Normen werden von den Studierenden vor der Vorlesung erarbeitet. Die Vorlesung kann also auf einem höheren Niveau starten und Studierende haben die Möglichkeit auch substantiiertere Verständnisfragen zu stellen: Mithin ein Gewinn für das akademische Gespräch!

Die Videos beeinflussen die Vorlesung aber auch in einem anderen Punkt. Alle Videos sind interaktiv und werden über unsere Lernplattform ausgespielt. Interaktiv heißt, es werden zwischendurch ständig Verständnisfragen gestellt, der Zuschauer wird aufgefordert eine Norm zu lesen oder aus einem Normtext ein Prüfungsschema herzuleiten. Passives Konsumieren funktioniert also nicht. Diese Daten werten wir vor der Vorlesung aus. So weiß der Dozent zu Beginn der Vorlesung, welche Aspekte von allen Zuschauern verstanden worden sind und somit ausgeklammert werden können und welche Punkte unbedingt noch einmal angesprochen werden müssen. So verbessern wir die Vorlesung, da der Inhalt sich stärker an den Bedürfnissen der Studierenden orientiert. Die Videos stellen also eine ganz hervorragende digitale Ergänzung zur traditionellen Lehre und Wissensvermittlung durch Textarbeit dar. Diese Mischung wird daher auch als „Blended Learning“ bezeichnet.

 

3) Darüber hinaus arbeiten Sie derzeit an Ihrer Promotion und engagieren sich zudem noch als Präsident des Alumni-Vereins an Ihrer Hochschule. Wie schaffen Sie es, Ihre Promotion und Ihr vielseitiges Engagement "unter einen Hut" zu bringen? Haben Sie hier einen konkreten Tipp für unsere Nachwuchsjuristinnen und -juristen?

Arbeitsorganisation hat eine sehr individuelle Note, sodass ich gar keinen allgemeingültigen Tipp geben kann. Ich versuche mir für Aufgabenbereiche bestimmte Zeiten zu blocken, um möglichst effizient zu arbeiten oder auch mal Projekte abzulehnen, weil sie zu zeitaufwendig wären. Soweit die Theorie, die Praxis ist da deutlich weniger puristisch. Regelmäßig bin ich am Ende eines Tages sowohl erstaunt, wie viel ich doch geschafft habe und zum anderen aber auch enttäuscht, dass doch einiges liegen geblieben ist.

 

4) Wenn Sie gerade nicht an Ihrer Promotion schreiben, sich im Alumni-Verein engagieren oder ein neues YouTube-Video drehen – womit beschäftigen Sie sich dann?

Der Rest ist Freizeit. Kochen mit Freunden oder Rudern auf der Alster – etwas Ausgleich findet sich immer.

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